Wer von Wustrow aus am Hohen Ufer entlang in Richtung Ahrenshoop spaziert oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, dem fällt kurz nach dem Strandaufgang 2 ein eingezäuntes Areal auf. Auf geneigten Gestellen stehen dort unzählige farbige Schilder, Folienmuster und Materialproben direkt im Ostseewind.
Für viele Urlauber und Einheimische ist die kleine Anlage ein echter Blickfang und ein beliebtes Fotomotiv am Wegesrand. Doch was genau wird hier eigentlich getestet, wer steckt dahinter – und seit wann gibt es dieses Freiluft-Labor am Ostseestrand?
Lage der Bewitterungsstation:
Adresse: zu Beginn des Hohen Ufers
Link zur Google Navigation: https://maps.app.goo.gl/ogfWeuwGA3bmthvy7
Google Pluscode: 993R+X3 Wustrow
What3Words: ///jemand.sanduhr.absprache
Parkmöglichkeit bei Anreise mit PKW: Strandstraße zentraler Parkplatz
Extremtest für Spezialfolien: Hält das Material der Ostsee stand?
Bei dem Areal handelt es sich um eine sogenannte Freibewitterungsstation. Betrieben wird sie von der ORAFOL Europe GmbH mit Hauptsitz im brandenburgischen Oranienburg. ORAFOL gehört weltweit zu den führenden Herstellern von Spezialfolien, reflektierenden Materialien (wie für Verkehrsschilder) und Klebebandsystemen.
Um zu prüfen, wie langlebig Folien, Lacke und Pigmente unter echten Bedingungen sind, schickt der Hersteller seine Entwicklungsmuster in den Härtetest. Das Klima am Hohen Ufer bietet dafür perfekte – und extrem aggressive – Bedingungen:
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Hohe UV-Einstrahlung durch reflektierendes Sonnenlicht am Meer.
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Starker Wind und Salzwasser-Aerosole direkt von der Brandung.
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Feuchtigkeit, Frost und abrupte Temperaturschwankungen im Jahresverlauf.
Aktuell testet ORAFOL vor Ort unter anderem neue Farbpigmente und Effektfolien für die bekannte ORACAL® 970RA-Serie – Spezialfolien, die weltweit für die Vollverklebung von Fahrzeugen (Car Wrapping) genutzt werden. Erst wenn ein Material den Wustrower Ostseestürmen und der UV-Strahlung dauerhaft trotzt, geht es in die Serienproduktion.
Globaler Vergleich: Wustrow neben Florida und Arizona
Spannend ist die Rolle, die unser kleines Ostseebad im weltweiten Qualitätsmanagement des Konzerns einnimmt. ORAFOL betreibt parallel identische Testfelder an zwei weiteren Extremstandorten:
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Florida (USA): für feucht-heißes, subtropisches Klima.
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Arizona (USA): für trocken-heiße Wüstenhitze und extreme Sonne.
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Ostseebad Wustrow: als europäischer Referenzstandort für rau geprägtes, kühles und salzhaltiges Seeklima.
Ergänzt werden diese jahrelangen Naturprüfungen durch beschleunigte Tests in UV-Klimakammern im Hauptwerk Oranienburg.
Fotos von der Bewitterungsstation:
Die Geschichte: Von 1965 bis heute
Die Tradition der Materialprüfung am Fischland reicht tief in die DDR-Zeit zurück. Laut Angaben auf dem Schild vor Ort sowie lokalen Zeitzeugenberichten wurde die Station bereits 1965 errichtet. Schon damals stellten Vorläuferbetriebe des heutigen Folienwerks (wie die Hanalin KG und spätestens ab 1972 der VEB Spezialfarben Oranienburg) reflektierende Folien unter dem Markennamen Mikrolux her. Die Küste bot schon damals die ideale Testkulisse.
Nach der Wende und der Privatisierung übernahm die ORAFOL-Gruppe das Areal, modernisierte die Testracks und führt die Messreihen bis heute fort.
Der Kampf mit der Küstenerosion
Die Lage direkt an der Steilküste bringt jedoch eine besondere Herausforderung mit sich: Das Hohe Ufer unterliegt einem natürlichen Abbruch von durchschnittlich 0,5 bis 1,5 Metern pro Jahr. Im Laufe der Jahrzehnte musste das Testfeld daher mehrfach landeinwärts zurückverlegt, neu eingezäunt und angepasst werden. Erst 2025 wurde die Anlage nochmals komplett saniert und auf den neuesten Stand gebracht.
Fazit & Besichtigungshinweis
Auch wenn die Station kein offizielles Baudenkmal ist, gehört die „Farbenstation“ für viele Wanderer und Radfahrer fest zum Wustrower Ortsbild.
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Wichtiger Hinweis: Das Areal ist ein eingezäuntes Betriebsgelände und öffentlich nicht zugänglich. Vom direkt vorbeiführenden Wander- und Radweg lässt sich die Anlage aber hervorragend einsehen und fotografieren.

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